Erreichbarkeit von sozial benachteiligten Familien in der Mütter- und Väterberatung

Der Schweizerische Fachverband Mütter- und Väterberatung untersuchte in Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit (HSLU) die Frage der „Erreichbarkeit von sozial benachteiligten Familien in der Mütter- und Väterberatung“. Der Abschlussbericht zur Studie sowie ein zusammenfassendes Faktenblatt wurden 2019 publiziert. 

Aufbau der Studie:

In der Studie werden verschiedene Mütter- und Väterberatungsorganisationen im Detail evaluiert: Einerseits werden statistische Kennzahlen ausgewertet, andererseits wird eine Familienbefragung Antworten zum Nutzungsverhalten der Familien aber auch zum Nutzen für die Familien liefern können. Dies ermöglicht es, verschiedene Beratungskonzepte und Beratungsangebote im Hinblick auf die Erreichbarkeit miteinander zu vergleichen.

Die Studie soll Antworten auf die folgenden drei Hauptfragen liefern:

  1. Wie hoch ist der Anteil der sozial benachteiligten Familien und Migrationsfamilien, die von der MVB erreicht werden? Welche Gruppen werden besser, welche schlechter erreicht? Welche Gruppen werden gar nicht erreicht? Wie intensiv nutzen welche Gruppen welche Angebote? 
  2. Welche Angebotsform der Mütter- und Väterberatung erreicht heute am besten sozial benachteiligte Familien und Migrationsfamilien? 
  3. Welche Faktoren sind förderlich bzw. hemmend für die langfristige Nutzung der Mütter- und Väterberatung?

Basierend auf diesen Resultaten werden in einem zweiten Schritt zusammen mit Expertinnen und Experten aus der Mütter- und Väterberatung Empfehlungen und Good Practice Beispiele erarbeitet und in Form eines Online-Dossiers publiziert.

Das Projekt wurde mitfinanziert vom Nationalen Programm zur Prävention und Bekämpfung von Armut und erstreckt sich über den Zeitraum 2016 bis Ende 2018. Die Familienbefragung ist Teil der Studie „Angebote der Frühen Förderung in der Schweiz“, die von der Hochschule Luzern und dem Institut für Elementar- und Schulpädagogik IESP durchgeführt werden. 

Zentrale Erkenntnisse:

Flexible, niederschwellige und gut erreichbare Mütter- und Väterberatungsangebote sind förderlich, um alle Familien mit dem Angebot zu erreichen. Die grösste Nutzungshürde ist insgesamt die mangelnde Bekanntheit der Mütter- und Väterberatung bei gewissen Zielgruppen. Insbesondere bei der Migrationsbevölkerung besteht diesbezüglich Aufholbedarf.

Vergleicht man die Bekanntheit mit der Nutzung, so besteht die grösste Diskrepanz bei SchweizerInnen mit Sozialhilfebezug: Diese kennen das Angebot der Mütter- und Väterberatung zwar oft, nutzen es jedoch vergleichsweise wenig. Wenn SozialhilfebezügerInnen die Mütter- und Väterberatung jedoch nutzen, dann tun sie dies intensiver – und zwar sowohl SchweizerInnen als auch MigrantInnen. Sie werden also im gleichen Zeitraum vergleichsweise häufiger beraten als Familien aus der breiten Bevölkerung.

Betreffend Beratungsart bewährt sich die Beratung mittels Hausbesuchen für belastete Familien. Insbesondere bei Familien mit Sozialhilfe und erfolgt die Beratung vergleichsweise häufig durch Hausbesuche. Die Bedeutung von Hausbesuchen und weiteren Formen aufsuchender Arbeit (in Vereinen, Community-Zentren) wurde auch aus der Praxiserfahrung der ExpertInnen im Rahmen des Validierungs-Workshops als wichtiges Element für die Erreichbarkeit sozial benachteiligter Familien bestätigt. 

Weitere Informationen zu den Ergebnissen und daraus folgenden Empfehlungen finden Sie im Abschlussbericht und dem zusammenfassenden Faktenblatt.